Artikel vom 16. Oktober 2016

Bald ist es wieder soweit: In einigen Wochen haben wir Silvester.

Für alle Tierbesitzer, deren Lieblinge dieses Jahr das erste Mal die obligatorische Knallerei erleben werden, ist es damit jetzt schon Zeit, sich Gedanken um eine mögliche Prophylaxe vor Silvesterangst zu machen.

Denn: Haben Tiere die Silvesterknallerei erst einmal als traumatisch erfahren, ist es nur sehr schwierig bis fast unmöglich, diese umzukehren. Was nachher bleibt, ist oftmals nur Management und in Extremfällen medikamentöse Unterstützung, den Vierbeinern den Jahreswechsel so erträglich wie möglich zu gestalten.

Warum weise ich so früh auf die Silvesterproblematik hin?

Zum einen natürlich, weil sich viele Tierhalter zu spät mit der Thematik beschäftigen. Nicht aus bösem Willen oder Unwissenheit, sondern ganz einfach aus dem Grunde, weil sich in der Regel im September/Oktober überhaupt noch niemand mit Silvester beschäftigt. Es sind ja noch lange Wochen bis dahin… Die Zeit sollte allerdings genutzt werden!

Es gibt aber noch weitere wichtige Punkte, die mit Silvester durchaus zu tun haben, auf die man aber erst einmal gar nicht kommt. Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und eine Phobie entstanden, bleibt die Silvesterangst bei manchen Tieren leider nicht das einzige Problem.

Geräuschangst wird sehr schnell übertragen!

Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Tiere, die vor Feuerwerk Panik haben, diese im weiteren Verlauf auf Gewitter übertragen oder sogar generell auf laute, plötzliche Geräusche.

Was hat die Jagdsaison mit Silvester zu tun?

Der Herbst ist Jagdzeit. D.h., wer sich mit seinem Hund in der Natur aufhält, muss gerade jetzt damit rechnen, dass er mit Schussgeräuschen konfrontiert wird. Erschreckt sich der Vierbeiner, hat man im ärgsten Fall nicht nur einen schussängstlichen Hund, sondern im Wege der Übertragung auch gleich einen, der Feuerwerk sofort mit dem Schreckensgeräusch des Schusses assoziiert – auch wenn zwischen diesen Ereignissen vielleicht sogar Wochen vergangen sind und sie genaugenommen nichts miteinander zu tun haben.

Frühzeitige Gewöhnung an Knallgeräusche

Für alle Tiere, die bislang noch keine negativen Erfahrungen mit der Knallerei gemacht haben, sollte deshalb so früh wie möglich darauf hingewirkt werden, sie an Böllergeräusche zu gewöhnen.

Dafür kann man sich entweder Geräusch-CD’s mit Silvesterknallerei kaufen oder sich entsprechende Feuerwerksgeräusche im Internet runterladen. Die werden zu Anfang nur sehr, sehr leise abspielt, so dass beim Tier noch keine sichtbare Reaktion auf diese Laute zu erkennen ist. Zusätzlich kann man die zu hörende Ballerei mit etwas angenehmem verbinden wie beispielsweise besonders leckeren Futterhappen.

Dazu kann man, um die postive Einstellung zu Knallgeräuschen noch zu erhöhen, die Futterhappen auch werfen und den Hund hinterherjagen lassen oder später auch Futtersuchspiele machen.

Beachtet bitte beim Abspielen bei Hund und Katze: Ihr Gehör ist viel empfindlicher als unseres! Was der Mensch als leise empfindet, muss beim Tier längst nicht so sein.

Die Lautstärke wird im Verlaufe des Gewöhnungsprozesses langsam und Schritt für Schritt gesteigert.

In Verbindung mit einer angenehmen Konsequenz können die Knallgeräusche im Wege einer klassischen Konditionierung bei manchen Tieren sogar zu einer positiven Erwartungshaltung führen:

Mein eigenen Hunde Fifty und Skye kommen z.B. jedes mal freudig zu mir angerannt, sobald sie nur Feuerwerk im Fernsehen hören, weil sie damit lustige Futterspiele verbinden. Silvester ist damit für die beiden also kein Schreckenstag, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein „Feuerwerk“ an fliegenden Leckerchen.

Die Silvesternacht

Selbstverständlich sollte sein, dass man seine Tiere in der Nacht zum Jahreswechsel nicht Zuhause sich allein überlässt oder sie gar zum Feuerwerk um Mitternacht mit nach draußen nimmt. Denn auch die beste Prophylaxe nützt nichts, wenn das Tier einen Böller vor die Füße bekommt…

Also: Nutzt die Zeit und kümmert euch frühzeitig. Bis zu einem gewissen Grad könnt ihr als Tierbesitzer durchaus Einfluss darauf nehmen, wie eure Lieblinge Silvester empfinden werden.

Falsche Sicherheit

Zum Abschluss möchte ich noch auf ein nicht ganz so seltenes Problem hinweisen:

Viele Hunde zeigen bei ihrem ersten Silvestererlebnis noch keine Angst – aber  beim zweiten oder dritten. Und zwar, ohne dass sie schlechte Erfahrungen gemacht haben!

Ein Phänomen, dass wir als Hundetrainer kennen, von dem aber auch viele Tierärzte berichten:

Wahrscheinlich liegen bei solchen Hunden genetische Dispositionen zu einer Geräuschschreckhaftigkeit vor.

Umso wichtiger finde ich es, die oben genannten Übungen ganzjährig und regelmäßig durchzuführen und nicht nur noch mal kurz zwischen Weihnachten und Silvester aufzufrischen.